Guild Wars: Online-Rollenspiel mit Offline-Atmosphäre
Mit Guild Wars aus dem Hause NC Soft hat die aus Ex-Blizzard Mitarbeitern bestehende Spieleschmiede Arena.Net einen langlebigen Rollenspielkracher geschaffen, der sich deutlich von seinen Genrekollegen hervorhebt und dem klassischen MMORPG neue Elemente abgewinnt. Schon das Selbstverständnis der Entwickler deutet die Richtung an, in die es gehen soll: Denn statt vom MMORPG zu reden, nennt Arena.Net das Spiel lieber ein CORPG (Competetive Online Roleplaying Game).
Einführung in die Welt
Am Anfang wird der Spieler mithilfe eines interaktiven Prologes mit der Welt von Ascalon vertraut gemacht: Ein ausgedehntes Tutorial führt den Spieler in die Handlung, Handhabung und Möglichkeiten von Guild Wars ein: Man erkundet die wunderschön animierte und hochauflösende Welt von Ascalon, löst erste Quests und macht sich mit dem Kampf-, Teleport- und Inventarsystem sowie der Herstellung von eigenen Waffen vertraut. Besiegte Gegner lassen ähnlich wie bei Diablo Geld und Gegenstände fallen, auch ihre Waffen kann man gegen Gold auf sich selbst anpassen lassen und verwenden. Die gefundenen Gegenstände lassen sich aber nicht nur anpassen oder verkaufen, sondern auch in Rohstoffe umwandeln, mit denen man sich z.B. bei einem Schmied eine neue Rüstung anfertigen lassen kann.
Im Tutorial Prolog zeigt sich Ascalon noch von seiner friedlichen Seite: Prachtvoll in Szene gesetzt geht der Spieler durch grüne Wiesen entlang an detailierten Wasserfällen und Gebirgszügen und schlendert durch eine prachtvolle Metropole. Kleine Schmetterlinge fliegen durch die Gegend, der Wind lässt das Gras umher schwingen, es herrschen fast schon paradiesische Zustände. Nach dem Prolog beginnt die eigentliche Handlung und der Krieg zieht über das Land. Ascalon ist verwüstet und die Reise führt nun durch Felswüsten, menschenleere Ruinen und verödete Felder.
Kein monatliches Entgelt
Im Gegensatz zu fast allen anderen Online-Rollenspielen gibt es bei Guild Wars kein verpflichtendes monatliches Entgelt für den User! Anschaffungskosten bestehen so nur mehr in der Originalversion des Spieles und Expansion Packs. Mit seinen drei großen Add-Ons ist Guild Wars inzwischen zum heimlichen Favourit, was das größtmögliche Spielareal betrifft, geworden. Aber auch ohne zusätzliche käufliche Expansions wird die Welt von den Entwicklern immer wieder upgedatet und erweitert.
Heldenklassen
Zwar gibt es in Guild Wars nur Menschen als spielbare Rasse, im Endeffekt lassen sich aber durch Kombinationsmöglichkeiten der sechs angebotenen Grundklassen (Kämpfer, Bogenschätze, Heiler, Elementarmagier, Nekromant, Mesmer) 30 verschiedene Charaktertypen erstellen. Jede Klasse besitzt zusätzlich 150 Fähigkeiten, wie zum Beispiel verschiedene Kampfstile und Zaubersprüche, mit denen man seinen Helden spezialisieren kann. Pro Charakter stehen jedoch nur 8 Fähigkeiten zur Verfügung, weshalb man sich gut überlegen sollte, wie man seine Figur bestückt. Die Charakterfähigkeiten lassen sich darüberhinaus auch nur wechseln, wenn man sich gerade in einem Siedlungsgebiet befindet. Im Hinblick auf die zu lösenden Quests ist es daher absolut erforderlich, sich bereits im Vorhinein klar zu werden, welche Fähigkeiten man wählt – denn sobald man die Stadt verlassen hat, lassen diese sich bis zum nächsten Besuch nicht mehr verändern.
Taktik ist alles
Das Spielen von Guild Wars verlangt eine hohe Beschäftigung mit den taktischen Elementen des Kämpfens und der Gruppengestaltung. Falsch gewählte Fähigkeiten führen im schlimmsten Fall sogar dazu, dass bestimmte Gruppenkonstellationen sich im Kampf nicht gegenseitig ergänzen, sondern entgegengesetzt wirken können, zum Beispiel wenn Zaubersprüche von Magiern und Nekromanten sich gegenseitig aufheben. Der taktische Faktor ist vor allem im PvP Kampf sehr wichtig.
Wer von Storyline und Erforschung der epischen Spielewelt genug hat, kann sich in PvP Arenen mit andren Spielern bekriegen. Auch Neueinsteigern im Spiel wird es ermöglicht, gleich zu Spielbeginn ein Kräftemessen zu veranstalten. Für den PvP Kampf lässt sich nämlich sofort ein High-Level Charakter mit Stufe 20 anfertigen – für mehr Spaß und Abwechslung sorgt jedoch die selbst hochgezüchtete Figur aus dem eigentlichen Spiel.
Da Guild Wars Spieler nicht auf separaten Welten verschiedener Server spielen, sondern alle im selben Sever Netzwerk, kommt es zu viel Interaktion mit der weltweiten Spielergilde. Alle Spieler spielen global in derselben Welt, es gibt keine getrennten Server – somit entwickelte sich ein extrem spannender globaler Wettstreit um die führende Gilde!
Artificial (Un)Intelligence?
Jeder Spieler kann, so er will, das Spiel auch komplett im Alleingang mit Hilfe von einem angeheuerten NPC-Team durchspielen. Spieler, die lieber alleine questen, können also das Game quasi wie ein Singleplayer-RPG nutzen. In den strategisch platzierten Städten warten allerhand NPC Charaktere darauf, rekrutiert zu werden. Während zu Spielbeginn maximal 3 Charaktere aufgenommen werden können, wird die Gruppe im Laufe des Spiels auf bis zu 8 Charaktere erweitert.
Leider lässt die KI der NPC-Mitspieler in deiner Gruppe manchmal zu wünschen übrig. Angriff wie Defensive erscheinen manchmal wahllos bzw. zufallsbasierend. Spätestens wenn der NPC-Heiler wahllos Mitglieder deiner Gruppe heilt und nicht denjenigen, der kurz vorm Exodus ist, wünscht man sich an dessen Stelle ein von einem Menschen gesteuertes Exemplar.
Wer glaubt, dass Guild Wars im Kooperationsmodus langweilig wäre, der irrt gewaltig! Die PvP Kämpfe verblüffen mit Detailverliebtheit und Besinnung auf Taktik – ohne eine gute Abstimmung der eigenen und Team-spezifischen Skills hilft auch kein massives Dauerklicken, um ein Gefecht für sich zu entscheiden.
Stichwort Gildenspiel
Das Gildenspiel ist in Guild Wars ein zentraler Punkt. Jede Gilde verfügt über eine Hierarchie sowie spezielle grafische Embleme wie beispielsweise individuell erstellte Umhänge. Spieler können sich in Gruppen mit bis zu 100 Mann zusammentun. Es ist weiters möglich, eine Allianz mit bis zu 9 anderen Gilden zu schließen und dadurch die Herrschafft über eine Stadt zu erlangen.
Städte bieten Platz für bis zu 250 Spieler. Bei Überschreitung dieser Population wird eine neue Stadt-Instanz in Form eines “Distrikts” eröffnet, in Europa sind die Städte zusätzlich noch in fünf Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch) geteilt, die von den Spielern allesamt frei wechselbar sind. Darüberhinaus existieren auch noch internationale “Distrikte”, in der sich die Spieler aus allen Regionen treffen.
Die Gebiete außerhalb der Städte existieren in Form von “Instanzen”, was verhindert, dass andere Spieler wichtige Handlungsmerkmale, Quests oder Monster vor euch erreichen. Das weitläufige Gebiet außerhalb der Städte wird immer nur für deine eigene Gruppe geöffnet, Kontakt mit anderen Spielern zwecks Teambildung und Itemtausch ist nur innerhalb der Städte möglich. Auch wenn dieses Prinzip auf den ersten Blick etwas seltsam zu sein scheint, so vereinfacht es doch das Spielprinzip ungemein, und zwar zum Guten!
Technische Raffinesse
Das inzwischen über 5 Millionen mal verkaufte Guild Wars besitzt eine bisher einzigartige Streaming-Technik, die es erlaubt, den momentan aktivierten Spielinhalt (Stadt, Gebiet, Instanz), ohne Pause zu aktualisieren. Das Streaming tritt während des Ladens der Gebiete als auch im Hintergrund während des eigentlichen Spieles in Aktion. Der Spielfluss trennt deutlich PvP und PvE Elemente und ist von vornherein nicht als reines Multiplayer-Game angelegt, mit anderen Worten: Guild Wars ist ein Online-Spiel mit einem nicht zu vernachlässigenden Offline-Flair.
Alles in allem ist Guild Wars eine erfrischende Neubearbeitung des MMROPG-Genres, die bis auf die mangelhafte KI der NPC-Gruppenmitglieder nichts falsch macht! Atmosphärische und wunderschöne Grafik, abwechslungsreiche Quests, epische Handlung samt riesengroßer Welt sowie die sehr gute, auf Taktik basierende PvP Umgebung machen Guild Wars zu einem wahren Klassiker, der in keiner Spielsammlung fehlen sollte.




April 2nd, 2008 at 8:31 pm
Wie sieht das eigentlich mit den Addons aus? Lohnen die sich oder eher nicht?
April 3rd, 2008 at 9:26 am
Klar, die lohnen sich auf jeden Fall. Guild Wars ist eines der besten Online Rollenspiele, die ich kenne. Kann ich jedem nur empfehlen - lohnt sich wirklich! Finde ich persönlich besser noch als WOW.
April 7th, 2008 at 7:57 am
Keine monatlichen Kosten? Das finde ich in Ordnung. Das ist mal echt ne Abwechslung zu den ganzen anderen Onlinegames, die man so kennt. Finde eigentlich, dass es so etwas viel öfters geben müsste.